Schleppleinentraining
Wie dein Hund Freiheit bekommt, bevor der Rückruf zuverlässig sitzt
In diesem Artikel lernst du, welche Länge zu deinem Hund passt, wie du die Leine ohne Verletzungsrisiko führst, was du tust wenn er hineinrennt und woran du merkst, dass sie weg darf.
Sichern und Üben sauber trennen
Die Handhabung, die deine Finger schützt
Rückruf-Aufbau in vier Stufen
Wann die Leine wieder verschwindet
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Zehn Meter Freiheit. Und zehn Meter, die sich verheddern können.
Die Schleppleine gilt als der sichere Mittelweg zwischen kurzer Leine und Freilauf. Bis sie im Gebüsch hängt, an deinen Fingern brennt oder dein Hund mit Anlauf ans Ende rennt.
🚗
Problem 01
Sie liegt seit Wochen im Kofferraum
Gekauft hast du sie nach dem Spaziergang, an dem er zum Reh abgehauen ist. Benutzt hast du sie zweimal. Danach war es einfacher, ihn wieder an der kurzen Leine zu lassen.
„Die liegt bei mir im Auto. Ich weiß ehrlich nicht, wie ich damit anfangen soll.“
🩹
Problem 02
Deine Finger erinnern sich
Einmal ist sie dir bei voller Fahrt durch die Hand gelaufen. Seitdem hältst du sie zu fest, gehst zu dicht hinter ihm her und der ganze Sinn der Sache ist weg.
„Die Schnur hat mir den Finger aufgerissen. Ich trau mich nicht mehr, sie richtig laufen zu lassen.“
😖
Problem 03
Er zieht jetzt auch auf zehn Metern
Du hattest gehofft, dass er mit mehr Platz entspannter wird. Stattdessen steht die Leine dauerhaft stramm, nur eben weiter vorn. Und du fragst dich, ob du gerade etwas kaputt machst.
„Er hängt in der Schleppleine wie ein Schlittenhund. Zehn Meter, straff, die ganze Runde.“
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Die kurze Antwort zuerst
Eine Schleppleine ist fünf bis zehn Meter lang, hängt ausschließlich am Geschirr und hat keine Handschlaufe. Du führst sie mit Handschuhen oder lässt sie schleifen. Und sie hat zwei völlig verschiedene Aufgaben, die du auseinanderhalten musst, sonst funktioniert keine davon.
Aufgabe eins ist Sicherung. Dein Hund darf laufen und schnüffeln, die Leine hängt nur da, falls etwas passiert. Aufgabe zwei ist Training. Du baust den Rückruf auf, mit Wiederholungen, Belohnung und einem Plan.
Die meisten Halter machen aus beidem eine Mischung: Sie hängen die Leine dran, gehen spazieren und hoffen, dass sich der Rückruf nebenbei einstellt. Das passiert nicht. Dieser Artikel trennt die beiden Modi, geht die Handhabung durch, die deine Finger heil lässt, und beantwortet die zwei Fragen, die in jedem Forum stehen und in keinem Ratgeber: Was tue ich, wenn er dauerhaft zieht, und was, wenn er mit Anlauf ins Ende rennt.
Wenn dein Hund an der kurzen Leine zieht, ist das ein anderes Thema mit anderen Antworten. Der Überblick dazu steht unter warum Hunde an der Leine ziehen.
Wofür die Schleppleine gedacht ist
Sie ist für Hunde da, die noch nicht sicher zurückkommen. Das sind mehr, als man denkt: Junghunde mitten in der Pubertät, frisch adoptierte Hunde in den ersten Monaten, Hunde mit Jagdinteresse und alle, bei denen der Rückruf zwar zu Hause klappt, aber nicht im Feld.
Für diese Hunde gibt es sonst nur zwei Optionen, und beide sind schlecht. Entweder er bleibt dauerhaft an der kurzen Leine, dann fehlt ihm die Bewegung und das Schnüffeln, und der Druck landet später wieder auf der Leine. Oder er läuft frei, und du hoffst jedes Mal, dass kein Reh kommt.
Die Schleppleine ist der Zwischenschritt. Sie gibt Bewegungsfreiheit und behält gleichzeitig die Notbremse. Genau deshalb ist sie kein Ausrüstungsgegenstand für immer, sondern eine Phase.
Was sie nicht kann: Leinenführigkeit beibringen. An zehn Metern gibt es keine klare Rückmeldung darüber, was locker und was straff bedeutet. Wer das Ziehen an der kurzen Leine abtrainieren will, braucht eine kurze Leine und einen anderen Plan. Der steht im Trainingsplan für Leinenführigkeit.
Die zwei Modi: sichern oder üben
Das ist der Punkt, an dem die meisten Schleppleinen scheitern, und er steht in keinem der Ratgeber, die aktuell zu diesem Thema ranken.
Im Sicherungsmodus schleift die Leine am Boden. Du hältst sie nicht, du gehst normal, dein Hund macht sein Ding. Wenn etwas passiert, trittst du auf die Leine oder greifst sie. Das ist entspannt für euch beide und der Modus, in dem dein Hund tatsächlich runterkommt. Voraussetzung ist offenes Gelände ohne Menschenverkehr und ohne dichtes Gestrüpp.
Im Trainingsmodus hast du die Leine in der Hand, gehst bewusst mit und machst Rückruf-Wiederholungen. Zehn, fünfzehn Minuten, dann ist Schluss. Danach entweder Sicherungsmodus oder Leine ab und nach Hause.
Warum die Trennung so wichtig ist: Im Sicherungsmodus lernt dein Hund, dass Freiheit angenehm ist und dass du nicht ständig an ihm herumhängst. Im Trainingsmodus lernt er den Rückruf. Wenn du beides mischst, bekommst du eine Stunde halbherziges Hinterherlaufen, in der du zwanzigmal rufst und er dreimal kommt. Damit trainierst du ihm bei, dass dein Rückruf-Signal meistens folgenlos bleibt.
Sag dir vor jeder Runde einen Satz: Ist das jetzt Sichern oder Üben? Wenn du es nicht beantworten kannst, ist es Sichern.
Länge, Material und Karabiner
Fünf Meter zum Anfangen, zehn Meter für später. So einfach ist das im Grunde.
Fünf Meter sind übersichtlich, verheddern sich seltener und reichen für die ersten Wochen völlig. Zehn Meter geben deutlich mehr Bewegungsspielraum und sind das, womit die meisten am Ende laufen. Fünfzehn oder zwanzig Meter gibt es, sie sind für Fährtenarbeit gedacht und für den Alltag zu unhandlich. Bei einem kleinen Hund darf es auch bei fünf Metern bleiben, dessen Radius ist ohnehin kleiner.
Beim Material gibt es einen echten Unterschied, anders als bei der normalen Führleine. Runde Seil-Schleppleinen schneiden bei Zug in die Hand und saugen sich mit Wasser voll. Gurtband liegt besser in der Hand, wird im Matsch aber schwer und braucht ewig zum Trocknen. Biothane ist beschichtetes Gurtband, lässt sich abwischen, bleibt leicht und ist deshalb für Schleppleinen die praktischste Wahl. Der Haken: Biothane ist glatt, und wenn es nass ist, rutscht es schnell durch.
Der Karabiner sollte ein Drehgelenk haben, sonst verdreht sich die Leine bei jeder Runde, die dein Hund um dich läuft. Und er sollte leicht sein. Ein massives Metallteil, das zehn Meter hinter deinem Hund über Wurzeln schlägt, überträgt jeden Ruck direkt auf sein Geschirr. Worauf es bei Leinen sonst noch ankommt, steht im Guide dazu, welche Leine bei einem ziehenden Hund passt.
Ein Detail, das viele überrascht: Eine Schleppleine gehört ohne Handschlaufe geführt, oder die Schlaufe wird abgeschnitten. Bleibt sie dran und du hast sie über dem Handgelenk, wenn dein Hund mit vollem Anlauf ins Ende geht, dann hängst du fest. Genau dann willst du loslassen können.
Warum sie niemals ans Halsband kommt
Das ist die eine Regel, bei der sich wirklich alle einig sind, von Martin Rütter bis zu den Shop-Ratgebern. Trotzdem sieht man es ständig.
Die Rechnung dahinter ist simpel. Dein Hund beschleunigt auf zehn Metern auf volle Geschwindigkeit. Am Ende der Leine stoppt er nicht sanft ab, sondern schlagartig. Wenn dieser Stopp am Hals ankommt, treffen die Kräfte auf Kehlkopf, Luftröhre und Halswirbelsäule. Am Brustkorb verteilen sie sich auf eine deutlich größere Fläche und auf Knochen, die dafür gebaut sind.
Also: gut sitzendes Y-Geschirr, Leine an den Rückenring. Nicht an den Frontring, den brauchst du hier nicht, und die Leine würde deinen Hund bei jedem Meter seitlich verziehen. Warum die Anschlagstelle am Hund grundsätzlich so viel ausmacht, klärt die Gegenüberstellung von Geschirr und Halsband beim ziehenden Hund.
Wenn dein Hund nur ein Halsband hat und du gerade kein Geschirr besorgen kannst, dann bleibt die Schleppleine im Schrank. Es gibt keine Zwischenlösung dafür.
Wie du sie hältst, ohne dir die Hand zu verbrennen
Über Handschuhe steht in fast jedem Ratgeber ein Satz. Über die Technik dahinter fast nie.
Der Verletzungsmechanismus ist immer derselbe. Die Leine liegt lose, dein Hund schießt los, und in dem Moment schließt sich deine Hand reflexartig um eine Schnur, die mit zwanzig Stundenkilometern durchläuft. Das gibt Reibungsverbrennungen, bei dünnen Seilen auch tiefe Schnitte. Wie oft das in Deutschland passiert, weiß niemand: Zu Verletzungen durch Schleppleinen gibt es keine erhobenen Zahlen, und wer dir welche nennt, hat sie geschätzt.
Drei Dinge helfen zuverlässig. Erstens Handschuhe, und zwar bei jeder Runde, nicht nur wenn du damit rechnest. Dünne Arbeitshandschuhe mit Leder- oder Gummibeschichtung reichen völlig.
Zweitens: Nimm die überschüssige Leine in lockeren Achterschlaufen in die Hand, nicht in Ringen um die Handfläche und schon gar nicht ums Handgelenk. Eine Acht löst sich unter Zug von selbst auf. Ein Ring zieht sich zu.
Drittens: Wenn du bremsen musst, brems über Reibung, nicht über Griffkraft. Leine über den Oberschenkel oder um die Hüfte laufen lassen und langsam zumachen. Oder im Sicherungsmodus einfach auf die schleifende Leine treten, das ist die schonendste Bremse, die es gibt, weil dein Körpergewicht die Arbeit macht.
Die ersten Runden
Fang nicht auf der Wiese an, auf der es am meisten zu riechen gibt. Fang dort an, wo dein Hund sich langweilt.
Runde eins: Geschirr an, Leine dran, zehn Minuten normaler Weg. Du hältst die Leine locker, gehst mit, sagst nichts. Dein Hund soll nur merken, dass da etwas hinterherhängt und dass es keine Bedeutung hat. Manche Hunde erschrecken vor dem Geräusch der schleifenden Leine, andere versuchen, sie zu fressen. Beides legt sich in ein paar Runden.
Runde zwei bis vier: dasselbe, aber du lässt bewusst mehr Leine raus. Immer wenn dein Hund von selbst zu dir schaut, sagst du ein kurzes Lob und gibst Futter. Sonst nichts. Kein Rückruf, keine Übung. In dieser Phase baust du nur eine Sache auf, und die ist die wichtigste von allen: Zu dir zu schauen lohnt sich, auch wenn gerade nichts los ist.
Ab Runde fünf kommt der Rückruf dazu. Vorher nicht. Ein Hund, der noch mit der Leine beschäftigt ist, ist nicht bei dir, und ein Rückruf, den er in dem Zustand überhört, ist ein verbrannter Rückruf.
Rückruf an der Schleppleine aufbauen
Hier passiert das eigentliche Training, und hier lohnt sich ein Blick auf die Forschung.
Ein Team der University of Bristol hat 53 Halter-Hund-Paare zu Hause besucht, das Training gefilmt und die Hunde anschließend eine neue Aufgabe lösen lassen. Ergebnis: Hunde von Haltern, die überwiegend mit Belohnung arbeiteten, lösten die neue Aufgabe besser. Hunde, deren Halter viel mit Strafe arbeiteten, nahmen weniger Kontakt zu einer fremden Person auf (Rooney & Cowan 2011, Applied Animal Behaviour Science). Die Stichprobe ist klein, das gehört dazugesagt. Die Richtung deckt sich aber mit allem, was seither dazu veröffentlicht wurde.
Für die Schleppleine heißt das ganz praktisch: Der Rückruf wird bezahlt, jedes Mal, in den ersten Wochen ohne Ausnahme. Und zwar gut. Trockenfutter aus dem Napf ist keine Bezahlung, wenn nebenan ein Hase sitzt.
Der Aufbau in vier Stufen:
Stufe eins, zwei Meter Abstand, keine Ablenkung. Rufwort, er kommt, er bekommt drei Stücke hintereinander statt einem. Dann darf er sofort wieder weg. Dieses Wieder-weg-Dürfen ist der halbe Trick, weil Rückruf sonst zum Signal für „Spaß vorbei“ wird.
Stufe zwei, fünf Meter, weiterhin ruhige Umgebung. Stufe drei, volle Leinenlänge. Stufe vier, volle Länge mit echter Ablenkung: anderer Hund in Sichtweite, Wildwechsel, Jogger.
Wenn eine Stufe zweimal hintereinander nicht klappt, gehst du eine zurück. Und die Leine ist dabei nie das Werkzeug, mit dem du ihn heranziehst. Sie verhindert nur, dass er verschwindet, während er noch lernt.
Wenn dein Hund an der Schleppleine zieht
Das ist die häufigste Frage in Foren zu dem Thema, und die üblichen Antworten greifen zu kurz.
Erstmal: Auf den ersten Runden ziehen fast alle. Zehn Meter Radius fühlen sich nach Freiheit an, und Freiheit probiert man aus. Das legt sich meistens von selbst, wenn du nicht dagegenhältst. Wenn du am anderen Ende Gegendruck aufbaust, lehnt er sich hinein, das ist ein Reflex und keine Frechheit.
Wenn es nach zwei Wochen nicht besser wird, liegt es fast immer an einem von drei Punkten.
Erstens: Du gehst zu langsam. Viele Halter trotten hinterher, während der Hund vorwärts will. Geh selbst zügig, wechsle die Richtung ohne Ankündigung und ohne Ruck. Er lernt dabei, dass er dich im Blick behalten muss, und das reduziert den Dauerzug mehr als jede Korrektur.
Zweitens: Er hat zu wenig Möglichkeit, schnell zu sein. Ein Hund, der eigentlich rennen will und nur im Schritttempo geführt wird, zieht. Lass ihn zwischendurch ein Stück wirklich laufen, dann lässt der Druck nach. Wenn ihr das Tempo gemeinsam gehen wollt, hat das eigene Regeln, vom Alter bis zur Hitze. Sie stehen im Artikel darüber,wie du Joggen mit Hund aufbaust.
Drittens: Die Leine ist zu kurz für seinen Kopf. Bei manchen Hunden ist ein Radius von fünf Metern dauerhaft frustrierend, weil die interessanten Dinge weiter weg liegen. Zehn Meter lösen das oft von selbst.
Und wenn er zieht, weil er die ganze Zeit mit der Nase am Boden hängt, ist das ein eigenes Thema mit einer eigenen Lösung. Das haben wir hier auseinandergenommen: Hund zieht an der Leine und schnüffelt.
Wenn er mit Anlauf ins Ende rennt
Diese Frage stellt sich fast jeder nach den ersten Wochen, und beantwortet wird sie so gut wie nirgends.
Was dabei passiert, ist mechanisch unangenehm. Ein zwanzig Kilo schwerer Hund bei voller Geschwindigkeit, gestoppt auf wenigen Zentimetern, das ist ein harter Schlag ins Geschirr und ein harter Ruck an deinem Arm. Ob daraus Schäden entstehen, ist nicht untersucht. Dass es beiden weh tut, merkt man ohne Studie.
Drei Dinge ändern das.
Bremse vorher. Wenn du siehst, dass er losgeht, lässt du die Leine kontrolliert durch die Handschuhe laufen und machst über die letzten zwei Meter langsam zu. Aus dem Schlag wird ein Abbremsen. Das ist die wichtigste Fertigkeit an der Schleppleine überhaupt, und sie braucht ein paar Wochen Übung.
Geh mit. Zwei, drei Schritte in seine Richtung nehmen unglaublich viel Wucht raus.
Und drittens: Lies ihn früher. Die meisten Hunde kündigen den Sprint an. Kopf hoch, Körper spannt an, Ohren nach vorn, eine Sekunde Stillstand. In dieser Sekunde greifst du die Leine kürzer, dann kommt es gar nicht so weit. Wer sein Handy währenddessen in der Hand hat, verpasst genau diese Sekunde.
Was die Freilaufzeit mit dem Verhalten macht
Es gibt einen Grund, warum sich der Aufwand lohnt, und der ist inzwischen mit Zahlen unterlegt.
Eine Forschungsgruppe der Universität Kopenhagen hat 2.347 Däninnen und Dänen repräsentativ befragt, darunter 502 Hundehalter. Von diesen berichteten 34 Prozent mindestens ein Verhaltensproblem bei ihrem Hund. Beim Blick auf mögliche Einflussfaktoren fiel eines auf: Tägliche Freilaufzeit auf Spaziergängen ging mit einem geringeren Risiko für Aggressions- und Ungehorsams-Probleme einher (Meyer et al. 2023, Journal of Veterinary Behavior).
Wichtig ist, wie man das liest. Es handelt sich um eine Befragung zu einem Zeitpunkt, nicht um ein Experiment. Die Autor:innen schreiben ausdrücklich, dass daraus keine Kausalität folgt. Es kann genauso gut sein, dass Hunde, die sich gut benehmen, häufiger von der Leine gelassen werden. Vermutlich stimmt beides ein bisschen.
Interessant ist trotzdem, was die Studie sonst noch zeigt: Der Zusammenhang bestand mit der Freilaufzeit, nicht mit der gesamten Spaziergangsdauer. Eine Stunde an der kurzen Leine ist eben nicht dasselbe wie eine halbe Stunde mit Bewegungsfreiheit.
Für einen Hund, der noch nicht abrufbar ist, ist die Schleppleine der einzige Weg zu dieser Freiheit, der nicht auf Glück beruht. Das ist ihr eigentlicher Wert.
Verheddern, Schleifen, Matsch
Die Alltagsprobleme sind der Grund, warum so viele Schleppleinen im Kofferraum enden. Sie sind alle lösbar.
Verheddern in Büschen und Baumstämmen: Dagegen hilft die Umgebung. Schleppleinen gehören auf offene Flächen. Auf einem Waldweg mit dichtem Unterholz ist eine Fünf-Meter-Leine oft praktischer als eine Zehn-Meter-Leine, auch wenn das erstmal nach weniger klingt.
Verheddern um Beine, deine oder seine: Passiert vor allem, wenn dein Hund Kreise um dich läuft. Vorbeugen kannst du mit einem Drehgelenk am Karabiner und damit, dass du dich mitdrehst statt stehenzubleiben. Wenn er sich doch eingewickelt hat, nicht zerren. Leine locker lassen, er wickelt sich meist selbst wieder aus.
Matsch und Nässe: Der Hauptgrund für Biothane. Eine nasse Gurtband-Schleppleine wiegt ein Vielfaches und liegt danach zwei Tage über der Heizung.
Andere Menschen: Eine schleifende Leine ist eine Stolperfalle, und die meisten Leute sehen sie zu spät. Sobald jemand in Sichtweite kommt, holst du ein. Das ist keine Höflichkeit, sondern der Grund, warum Schleppleinen in manchen Parks einen schlechten Ruf haben.
Der Abbau: wann die Leine wieder weg darf
Martin Rütter empfiehlt in seinem Tipp zum Abbau, die Schleppleine Meter für Meter abzuschneiden. Der Gedanke dahinter ist gut, die Umsetzung halten wir für unpraktisch: Es kostet eine Leine, es ist nicht umkehrbar, und die Länge ist gar nicht das entscheidende Kriterium.
Besser ist eine Kombination aus Distanz und Bedingungen, und die musst du nicht abschneiden.
Schritt eins: Leine schleifen lassen statt halten, über zwei bis drei Wochen. Dein Hund merkt in dieser Zeit kaum einen Unterschied, du hast die Notbremse aber noch.
Schritt zwei: Die Leine kürzen, indem du sie zusammenknotest oder eine kürzere nimmst. Zwei Meter reichen, um noch drauftreten zu können.
Schritt drei: Ohne Leine, aber nur auf einer Strecke, die du kennst, ohne Straße in der Nähe und in einer ruhigen Tageszeit.
Und die Kriterien dafür, dass du überhaupt anfangen darfst:
Er kommt bei den letzten zwanzig Rückrufen in normaler Umgebung mindestens achtzehnmal beim ersten Ruf. Er kommt auch dann, wenn ein anderer Hund in Sichtweite ist. Er orientiert sich von selbst zu dir, ohne dass du rufst, mehrmals pro Runde. Und ihr habt das nicht nur an einem Ort geübt, sondern an mindestens drei verschiedenen.
Fehlt eines davon, ist es zu früh. Das ist kein Rückschritt, sondern eine Zeitfrage. Und bei einem Hund mit ausgeprägtem Jagdverhalten kann es sein, dass Schritt drei nie kommt. Das ist eine legitime Entscheidung und keine Niederlage.
Darf ich die Schleppleine überall benutzen?
Diese Frage kommt regelmäßig, und die Antwort steht in keinem Schleppleinen-Ratgeber, obwohl sie Bußgeld kosten kann.
Die Leinenpflicht ist in Deutschland Landes- und Kommunalrecht. Sie unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland, teilweise von Gemeinde zu Gemeinde. Manche Regelungen sagen nur, dass der Hund „an einer geeigneten, reißfesten Leine“ geführt werden muss, ohne die Länge zu definieren. Andere nennen konkrete Werte.
In Berlin zum Beispiel gilt seit dem 1. Januar 2019 eine allgemeine Anleinpflicht. In öffentlichen Gebäuden, Fußgängerzonen und öffentlichen Verkehrsmitteln darf die Leine höchstens einen Meter lang sein, in Grünanlagen, Parks und Wald höchstens zwei Meter (Senatsverwaltung für Verbraucherschutz Berlin). Eine Zehn-Meter-Schleppleine erfüllt diese Vorgabe an keinem dieser Orte.
Praktisch heißt das: Die Schleppleine ist etwas für Flächen ohne Anleinpflicht oder für Zeiten außerhalb der Brut- und Setzzeit-Regelungen, die in vielen Gemeinden von März bis Juli gelten. Wo eine maximale Leinenlänge vorgeschrieben ist, gilt sie auch für die lange Leine.
Der Aufwand, das einmal für deine Gemeinde nachzuschlagen, sind zehn Minuten. Such nach der Gefahrenabwehrverordnung oder der Hundeverordnung deines Ortes. Das ist keine Rechtsberatung, sondern der Hinweis, dass es diese Regelungen gibt und dass sie unterschiedlich ausfallen.
Was du mitnehmen kannst
Fünf Meter zum Anfangen, zehn später. Immer ans Geschirr, nie ans Halsband. Handschlaufe ab, Handschuhe an, Achterschlaufen statt Wickeln.
Und der Teil, der wirklich zählt: Entscheide vor jeder Runde, ob du sicherst oder übst. Beim Sichern schleift die Leine und du lässt deinen Hund in Ruhe. Beim Üben hast du fünfzehn Minuten, einen Plan und gutes Futter dabei.
Der Rückruf entsteht dabei nicht durch die Leine. Er entsteht durch ein paar hundert Wiederholungen, bei denen sich Zurückkommen für deinen Hund gelohnt hat. Die Leine sorgt nur dafür, dass ihr diese Wiederholungen sammeln könnt, ohne dass etwas passiert.
Wenn du für diesen Aufbau einen strukturierten Plan willst statt einzelner Tipps: Genau dafür haben wir den Kurs „Leine & Freiheit“ gebaut, sechs Einheiten, Schritt für Schritt. Und eine Einordnung aller anderen Hilfsmittel findest du im Überblick über Hilfsmittel bei Leinenziehen.
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche oder rechtliche Beratung. Zur Leinenpflicht an deinem Wohnort gibt die Gefahrenabwehr- oder Hundeverordnung deiner Gemeinde Auskunft. Bei ausgeprägtem Jagdverhalten oder wenn dich dein Hund körperlich überfordert, hol dir Unterstützung von einer zertifizierten Hundetrainerin.
✦ Die Wissenschaft dahinter
Was die Forschung über Freilauf und Rückruf weiß
Freilaufzeit hängt mit weniger Verhaltensproblemen zusammen. Und wie du den Rückruf aufbaust, entscheidet mit darüber, wie gut dein Hund überhaupt Neues lernt.
Die Schleppleine wird meist als Sicherheitsthema diskutiert. Es gibt aber auch Daten dazu, was Bewegungsfreiheit mit dem Verhalten macht. Eine repräsentative Befragung aus Dänemark fand einen Zusammenhang zwischen täglicher Freilaufzeit und weniger Problemen bei Aggression und Ungehorsam. Der Zusammenhang bestand dabei mit der Freilaufzeit, mit der gesamten Spaziergangsdauer aber nicht. Ob die Freiheit das Verhalten verbessert oder gut erzogene Hunde einfach häufiger freilaufen dürfen, kann die Studie nicht klären, und die Autor:innen sagen das selbst. Für den Rückruf selbst ist die Sache klarer: Hunde, deren Halter überwiegend mit Belohnung arbeiten, lösen neue Lernaufgaben messbar besser.
502 Halter
repräsentativ in Dänemark befragt, 34 % berichteten ein Verhaltensproblem. Tägliche Freilaufzeit auf Spaziergängen ging mit weniger Aggressions- und Ungehorsams-Problemen einher, die gesamte Spaziergangsdauer dagegen nicht
Quelle: Meyer, Forkman, Lund & Sandøe, 2023 (Journal of Veterinary Behavior)
53 Paare
zu Hause besucht und gefilmt. Hunde von Haltern mit überwiegend belohnungsbasiertem Training lösten eine neue Lernaufgabe besser; viel Strafe im Training ging mit weniger Kontaktaufnahme zu Fremden einher
Quelle: Rooney & Cowan, 2011 (Applied Animal Behaviour Science)
Stresslevel beim Spaziergang
Cortisol-Verlauf über 6 Wochen Training
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Stresshormon sinkt nachhaltig — die Bindung steigt.
1919.avif)
✦ So verändert es deinen Alltag
"Gutes Training braucht Vertrauen, kein Druck."
Die Schleppleine ist das Hilfsmittel, bei dem ich am häufigsten sehe, dass Leute aufgeben, bevor es funktioniert hat. Meistens liegt es an derselben Sache. Sie hängen die Leine dran und gehen dann genau so spazieren wie vorher, nur mit mehr Schnur im Weg. Nach drei Wochen ist die Bilanz: einmal verheddert, einmal in die Hand geschnitten, kein Fortschritt beim Rückruf. Und die Leine landet im Kofferraum. Bei Zola war das anfangs auch so. Bis ich angefangen habe, jede Runde vorher zu entscheiden, was sie ist. Übungsrunde, fünfzehn Minuten, volle Aufmerksamkeit, gutes Futter. Oder Freiheitsrunde, Leine schleift, ich halte den Mund. Seitdem funktioniert beides. Was ich dir mitgeben will: Die Leine bringt deinem Hund nichts bei. Sie kauft dir die Zeit, in der du es ihm beibringen kannst, ohne dass er dabei auf einer Straße landet. Genau darauf ist der Kurs gebaut. Kein Bauchgefühl, keine Trends. Verhaltensforschung, übersetzt in etwas, das du morgen beim Spaziergang anwenden kannst.
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✦ Stimmen aus der Community
Funktioniert bereits bei über 340 Hundebesitzer:innen.
Echte Erfahrungen. Echte Hunde. Echte Veränderung — meist innerhalb der ersten 4 Wochen.
Nach nur 3 Wochen hat Bruno aufgehört zu ziehen. Ich kann es selbst kaum glauben — der erste Spaziergang ohne Stress war fast emotional. Annas Methode ist so geduldig erklärt, dass ich sie sofort umsetzen konnte.
Prof. Dr. Andreas Herrmann
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Was Zarti aufgebaut hat, ist das, was ich mir seit Jahren von einer Hundeschule wünsche. Klar, fair, alltagstauglich — und ohne dieses Gefühl, ständig etwas falsch zu machen.
Lisa M.
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Ich hatte schon 3 Hundeschulen ausprobiert. Das hier hat in 4 Wochen mehr verändert als alles davor zusammen. Wir gehen wieder zusammen spazieren — und ich bin wieder stolz auf meinen Hund.
Tom K.
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Endlich keine Verurteilung mehr. Anna nimmt dich mit, anstatt zu sagen, was du falsch machst. Das hat meine Beziehung zu Charlie komplett verändert.
Sandra B.
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Die Module sind so kurz, dass ich sie wirklich gemacht habe. Nach Modul 3 lief Luna schon entspannter — und ich habe wieder Lust auf den Feierabend-Spaziergang.
Marie L.
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Was hier wirklich anders ist: Es geht um die Bindung. Nicht um Tricks, nicht um Druck. Mein Hund vertraut mir wieder — und ich ihm.
Dieter R.
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✦ Häufige Fragen
Noch unsicher?
Hier die ehrlichen Antworten.
Wir wissen: Ein Online-Kurs ist Vertrauenssache. Deshalb beantworten wir die Fragen, die uns am häufigsten gestellt werden — ehrlich und klar.
Wie lang sollte eine Schleppleine sein?
Fünf Meter für den Anfang, zehn Meter, sobald du die Handhabung sicher beherrschst. Fünfzehn oder zwanzig Meter sind für Fährtenarbeit gedacht und im Alltag zu unhandlich. Bei kleinen Hunden reichen fünf Meter dauerhaft.
Darf die Schleppleine ans Halsband?
Nein, unter keinen Umständen. Am Ende von zehn Metern stoppt dein Hund schlagartig ab, und diese Kräfte gehören nicht an Kehlkopf und Halswirbelsäule. Sie kommt ausschließlich an ein gut sitzendes Y-Geschirr, an den Rückenring.
Welches Material ist am besten?
Biothane, also beschichtetes Gurtband. Es lässt sich abwischen, saugt kein Wasser und bleibt leicht. Reine Gurtbandleinen werden im Matsch schwer, dünne Seilleinen schneiden bei Zug in die Hand.
Brauche ich wirklich Handschuhe?
Ja, und zwar bei jeder Runde. Die typische Verletzung entsteht, wenn die Leine bei vollem Tempo durch die geschlossene Hand läuft. Dünne Arbeitshandschuhe mit Leder- oder Gummibeschichtung reichen.
Warum soll ich die Handschlaufe abschneiden?
Weil du im Ernstfall loslassen können musst. Hängt die Schlaufe über deinem Handgelenk, wenn dein Hund mit Anlauf ins Ende geht, wirst du mitgerissen. An der Schleppleine ist Loslassen ein Sicherheitsmerkmal.
Mein Hund zieht die ganze Zeit an der Schleppleine. Was mache ich?
Auf den ersten Runden machen das fast alle, meist legt es sich. Wenn nicht: Geh selbst zügiger, wechsle unangekündigt die Richtung und lass ihn zwischendurch wirklich rennen. Gegendruck macht es schlimmer, weil Hunde sich reflexhaft dagegenstemmen.
Mein Hund rennt mit voller Geschwindigkeit ins Leinenende. Ist das gefährlich?
Angenehm ist es für keinen von euch, untersucht ist der Schaden nicht. Vermeiden lässt es sich, indem du die Leine über die letzten Meter kontrolliert durch die Handschuhe laufen lässt statt hart zu stoppen, und indem du zwei Schritte mitgehst.
Kann ich mit der Schleppleine Leinenführigkeit üben?
Nein. Auf zehn Metern gibt es keine klare Rückmeldung zwischen locker und straff, und genau die braucht dein Hund dafür. Das Üben gehört an die kurze Leine, der Aufbau steht im Trainingsplan für Leinenführigkeit.
Ab welchem Alter ist eine Schleppleine sinnvoll?
Sobald der Welpe an Geschirr und Leine gewöhnt ist, meist ab vier bis fünf Monaten, und dann mit fünf Metern. Was in den ersten Monaten sonst noch zählt, steht im Artikel dazu, warum ein Welpe an der Leine zieht.
Soll ich die Leine halten oder schleifen lassen?
Beides, aber nicht gleichzeitig. Beim Rückruf-Training hältst du sie und arbeitest aktiv. Wenn dein Hund einfach nur laufen und schnüffeln soll, lässt du sie schleifen und trittst im Notfall drauf.
Wie lange dauert es, bis der Rückruf sitzt?
Das hängt vom Hund und von der Ablenkung ab, realistisch sind mehrere Monate. Statt auf ein Datum zu schauen, arbeite mit Kriterien: achtzehn von zwanzig Rückrufen beim ersten Ruf, auch mit einem anderen Hund in Sichtweite, an mindestens drei verschiedenen Orten.
Erfüllt eine Schleppleine die Leinenpflicht?
Oft nicht. Wo eine maximale Leinenlänge vorgeschrieben ist, gilt sie auch für die lange Leine. In Berlin sind es beispielsweise ein Meter in Fußgängerzonen und zwei Meter in Grünanlagen und Wald. Schlag die Verordnung deiner Gemeinde nach.
Was mache ich, wenn sich die Leine ständig verheddert?
Kürzere Leine im dichten Gelände und ein Karabiner mit Drehgelenk lösen die meisten Fälle. Wenn dein Hund sich eingewickelt hat, nicht ziehen. Leine locker lassen, dann dreht er sich meist selbst wieder frei.
Mein Hund schnüffelt an der Schleppleine nur noch und läuft nicht. Ist das schlimm?
Nein, das ist eine der Aufgaben der Leine. Schnüffeln ist Auslastung. Problematisch wird es erst, wenn er sich gar nicht mehr ansprechen lässt, dazu haben wir das hier auseinandergenommen: Hund zieht an der Leine und schnüffelt.
Kann ich einen Hund mit starkem Jagdtrieb je ohne Leine laufen lassen?
Manche ja, manche nie, und das ist keine Trainingsschande. Bei Rassen mit ausgeprägtem Lauf- und Jagdverhalten bleibt die lange Leine oft dauerhaft die Lösung. Ein Beispiel dafür steht im Artikel darüber, warum ein Husky an der Leine zieht.
Wie baue ich die Schleppleine wieder ab?
In drei Schritten: erst schleifen lassen statt halten, dann auf etwa zwei Meter kürzen, dann weglassen, aber nur auf bekannter Strecke ohne Straße. Ein Abschneiden der Leine, wie es manchmal empfohlen wird, brauchst du dafür nicht.